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Musicals

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Der New Yorker Times Square mit großflächiger Werbung für verschiedene Broadway-Musicals
Das London Palladium, eines der Theater im Londoner West End

Das Musical [ˈmju:zikəl ][1] ist eine in der Regel in zwei Akten aufgeführte Form populären Musiktheaters, die Gesang, Tanz, Schauspiel/Dialog und Musik in einem durchgängigen Handlungsrahmen verbindet. Die Geschichte des modernen Musicals begann im New York der 1920er Jahre, fand jedoch neben dem New Yorker Broadway auch rasch Verbreitung im Londoner West End, die noch heute beide als Metropolen des Musicals gelten. Ausgehend von diesen Zentren, hat das Musical weltweite Verbreitung gefunden. Neben der temporären Aufnahme in Spielpläne zahlreicher großer wie kleiner Theater haben sich auch außerhalb New Yorks und Londons in vielen Städten reine Musical-Theater etabliert, die ausschließlich Musicals als meist längere und aufwendig gestaltete Produktionen (sog. En-suite-Produktionen) zeigen. Auch Tournee-Produktionen diverser Musicals sind häufig zu finden. Trotz der weltweiten Verbreitung dominieren noch heute Musicals US-amerikanischen oder britischen Ursprungs, wobei es jedoch auch erfolgreiche Musicals anderer Herkunft gibt. Aufgrund des großen Erfolgs sind viele Musicals auch verfilmt worden.

Thematisch wird eine breite Fülle von tragischen als auch humorvollen Stoffen behandelt, die zu unterschiedlichsten Zeiten und an unterschiedlichsten Orten spielen. Auch für gesellschaftlich oder politisch sensible Themen hat sich das Musical stets offen gezeigt. Viele Musicals basieren dabei auf literarischen Vorlagen verschiedener Gattungen und Epochen. Auch musikalisch ist ein breites Spektrum stilistischer Einflüsse erkennbar: von Popmusik, Tanz- und Unterhaltungsmusik bis zu Jazz, Swing, Soul und Rock ’n’ Roll, um nur einige zu nennen. Gattungsgeschichtlich haben Elemente des Dramas, der Komödie, der Revue, der Operette, des Varietés und der Oper Einfluss auf die Entwicklung des Musicals genommen. Das Musical ist ein Gesamtkunstwerk und ist sowohl eine literarische als auch eine musiktheatralische Gattung.

Die im 18. und im frühen 19. Jahrhundert stets noch kleinen amerikanischen Städte hatten kein wesentlich anderes Theaterangebot als in Europa, und wie dort dominierten auch hier Mischformen aus Sprech- und Musiktheater, die von der Opéra comique herstammten. Im Bereich der Kleinkunst gab es spezifisch amerikanische Gattungen wie die Minstrel Show. Wie die europäischen Music Halls oder Singspielhallen waren die amerikanischen Vaudeville-Shows seit etwa 1880 privatwirtschaftlich organisiert.

Die Ursprünge des Musicals finden sich in London und New York im 19. Jahrhundert und haben mit dem Wachstum dieser Städte und der steigenden Nachfrage nach Unterhaltung zu tun. Als erstes Musical überhaupt wird oft das 1866 produzierte Spektakel The Black Crook genannt: Weil eine angereiste europäische Balletttruppe nicht in der zwischenzeitlich abgebrannten New Yorker Academy of Music auftreten konnte, wurde das Ballett in ein Melodram von Charles Barras integriert, was unerwartet zu einem großen Erfolg führte und zahlreiche musikalisch-szenische Produktionen nach sich zog.[2]

Eine entscheidende Rolle ungefähr seit dem Ersten Weltkrieg spielte das Theaterviertel am Broadway als Schmelztiegel unterschiedlicher Nationalitäten, Kulturen, Hautfarben, Konfessionen und sozialer Schichten. So flossen verschiedene Einflüsse in die ersten Musicals ein: Swing und Jazz der Minstrel Shows, französische Revuen und Music-Hall-Konzerte, Theaterformen der britischen Einwanderer wie das aus artistischen Nummern bestehende Vaudeville und die Burlesque, die Operette aus Paris und Wien und das Flair der Wild-West-Sideshows. Zum klassischen Operngesang gesellten sich neue Techniken wie das Belting. In aufwendigen Extravaganzas hatten Bühneneffekte, Bühnenmaschinerie, Tanzeinlagen und Kostüme große Bedeutung.

Zu Beginn des Jahrhunderts bestand die Broadway-Unterhaltung noch hauptsächlich aus Revueshows wie den Ziegfeld Follies. Von einer spezifischen, eigenständigen Gattung „Musical“ kann man erst seit den 1920er Jahren sprechen, als die amerikanische Operette eines Victor Herbert oder Rudolf Friml an Einfluss verlor. Aus dieser Zeit stammen etwa George Gershwins Lady, Be Good (1924) und Jerome Kerns Show Boat (1927). Show Boat gilt als das erste „ernste“ Musical (Musical Play). In diesem Stück ergaben sich die Songs aus der Handlung, ohne diese zu unterbrechen. Außerdem wurde Sozialkritik mit eingeflochten, wie gegen die Diskriminierung der Afroamerikaner.

Klassische Zeit

Der New Yorker Broadway gilt neben dem West End in London nach wie vor als Zentrum der Musicalwelt. Infolge der zunehmenden Konkurrenz durch den Tonfilm löste sich das Musical von der bloßen Nummernshow und erlebte von den 1930er bis zur Mitte der 1960er Jahre eine Blütezeit. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg behandelte das Musical sensible gesellschaftliche Themen, wie z. B. 1949 in South Pacific. Dies waren Stücke, die sich mit einem literarischen Buch von den bunt zusammengestellten Revuen und inhaltlich weniger zusammenhängenden Musical Comedys abhoben.

Auf eine erste Generation von Komponisten, wie Cole Porter, Irving Berlin und George Gershwin (1920er bis 1940er Jahre), folgte auf dem Höhepunkt der „klassischen“ Zeit eine zweite mit Richard Rodgers, der zunächst gemeinsam mit dem Textdichter Lorenz Hart (Babes in Arms (1937), The Boys from Syracuse (1938), Pal Joey (1940) und weitere) und später mit Oscar Hammerstein (Oklahoma! (1943)Carousel (1945), South Pacific (1949), The King and I (1951), The Sound of Music (1959) und weitere) zahlreiche Musicals schuf.

Weitere Vertreter dieser klassischen Zeit sind beispielsweise Frederick Loewe (z. B. My Fair Lady (1956)), Jule Styne (z. B. Blondinen bevorzugt (1949), Gypsy (1959), Funny Girl (1964)) und Jerry Herman (z. B. Hello, Dolly! (1964), Mame (1966), La Cage aux Folles (1983)).

Ganz wesentlich prägte West Side Story (1957) von Leonard Bernstein die zunehmende Entfernung des Musicals von Pathos und drolliger Komik. Auch Cabaret (1966) und Chicago (1975) von John Kander (Musik) und Fred Ebb (Texte) entfernten sich inszenatorisch und musikalisch von älteren Klassikern.

Das Filmmusical

Das Filmmusical, das durch die Erfindung des Tonfilms seit 1927 (The Jazz Singer mit Al Jolson) möglich geworden war, machte die Gattung Musical weltweit beliebt. Zunächst waren dies hauptsächlich Revuefilme. Das Medium Film eröffnete dem Musical neue Dimensionen und ermöglichte mehr Perfektion sowie üppigere Ausstattung. Durch das Verlassen der Bühne wich das Illusionstheater realistischen Landschaftsbildern. Erstmals waren rasche Szenenwechsel ohne Umbaupausen genauso realisierbar wie Nahaufnahmen, die dem Zuschauer das Gefühl vermittelten, in der ersten Reihe des Theaters zu sitzen. Für das Filmmusical wurden am Anfang der dreißiger Jahre neue Aufnahmetechniken erfunden, mit denen die Betrachter aus der Perspektive des Theaterzuschauers befreit werden sollten: Die sogenannten „Overhead shots“ machten die Choreografien von Busby Berkeley, der für Warner Brothers Musicals produzierte, zum Markenzeichen. Darin bildeten – fernab jeglicher Realität – Hunderte von Tänzerinnen menschliche Ornamente. In Das Wiegenlied vom Broadway (Lullaby of Broadway ) sieht man Hunderte von stepptanzenden Füßen in riesigen Art-déco-Kulissen. Auch die Tanzfilme mit Fred Astaire können als Ursprung des Film-Musicals angesehen werden.

Obwohl damals noch nicht als solches bezeichnet, gilt heute im deutschsprachigen Filmschaffen der Film Die Drei von der Tankstelle (1930) als das erste erfolgreiche, wesentliche deutsche Filmmusical.

Eine besondere Stellung hatte das Studio Metro-Goldwyn-Mayer. MGM – und hier vor allem die Produktionen Arthur Freeds – wurde zum Synonym für dieses Genre. Als prägend gelten beispielsweise Filme wie Das zauberhafte Land (1939), Ein Amerikaner in Paris (1951, nach George Gershwin), Singin’ In The Rain (1952) und Seven Brides for Seven Brothers (1954). Beginnend mit Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937) benutzte Walt Disney die Musicalform auch für Zeichentrickfilme.

Es fand ein reger Ideenaustausch zwischen dem Musicalzentrum Broadway und Hollywood, dem Mittelpunkt der Filmproduktion, statt. So wurden viele der Broadway-Erfolge verfilmt, genauso wie später Filme als Musical-Vorlage dienten. Das Film-Musical konnte durch einprägsame Lieder, Witz, akrobatische Tanzkünste, kostspielige Ausstattung und technische Effekte eine abwechslungsreiche Unterhaltung für ein Massenpublikum bilden. So wurde das Musical zur Handelsware und entwickelte sich zu einer „Kulturindustrie“.

Die Blütezeit des revueartigen Filmmusicals mit einem Schwerpunkt auf Tanz und Ausstattung waren die späten 1940er und die 1950er Jahre, danach wurde dieses Genre allmählich unpopulär. Es folgten jedoch noch zahlreiche weitere Musical-Filme, die jedoch (ähnlich der Entwicklung des Bühnen-Musicals) weniger „revue-haft“ waren und mehr Wert auf die Handlung legten. Darunter fanden sich zahlreiche Verfilmungen von Bühnen-Musicals, wie z. B. West Side Story (1961), My Fair Lady (1964), The Sound of Music (1965) und Cabaret (1972). Es entstanden jedoch auch weiterhin originäre Musical-Filme, die nicht auf Bühnen-Musicals basierten, wie z. B. Doktor Dolittle (1967) und Mary Poppins (1964), das mit seiner Verbindung aus Realfilm und Zeichentrick in die Filmgeschichte einging und Jahrzehnte später zum Bühnen-Musical wurde: Mary Poppins (2004).

Das Rock-Musical

The Rocky Horror Show

Ende der 1960er Jahre gingen neue Ideen und Klänge, beeinflusst durch Woodstock, Underground-Musik, 68er-Bewegung und gesellschaftliche Umwälzungen, auch an den Musicals nicht vorbei. Zu dieser Entwicklung gehörte das Musical Hair von 1967, das sich intensiv mit den Problemen Jugendlicher und deren aktueller Lage, wie dem kritisch betrachteten Vietnamkrieg, beschäftigt. Durch eingebaute Mitspielszenen wurde die Barriere zwischen Darstellern und dem Publikum gebrochen. Auch der musikalische Stil und die Instrumentation passten sich den neuen Anforderungen an. Aktuelle Rockmusik verdrängte die sinfonischen Merkmale und die Jazzelemente in der Musik. Das Orchester wurde durch elektroakustische Instrumente wie die E-Gitarre ergänzt oder ersetzt.

Hair (1967) oder Oh! Calcutta! (1969) ersetzten den Handlungsrahmen durch ein provokatives inhaltliches Konzept, das sich wieder mehr der Revue annäherte. Eine neue Art der Satire wie in Richard O’Briens The Rocky Horror Show (1973) wandte sich gegen die mittlerweile als brav empfundene Komik der Musical Comedy.

Moderne Musicals

Die Phase revolutionären Experimentierens mit neuen Inhalten, Musikstilen und inszenatorischen Ideen der späten 1960er und frühen 1970er Jahre fand schnell wieder ein Ende. Bereits 1972 feierte am Broadway das Musical Grease Premiere, das den Musikstil der 1950er Jahre aufgriff und mit einer klassischen Liebesgeschichte an einer amerikanischen Highschool verband. Mit A Chorus Line von Marvin Hamlisch erschien im Jahr 1975 ein Stück, das inhaltlich neuartig war, indem es das Musical-Genre selbst zum Thema machte und die Auditions für ein Musical und die Persönlichkeiten der Bewerber darstellte. Mit einer Spielzeit von fast 15 Jahren mit über 6.000 Vorstellungen wurde dies das zur damaligen Zeit am längsten laufende Musical am Broadway. Im Jahr 1980 folgte mit 42nd Street mit Musik von Harry Warren ein weiteres Musical, das musikalisch und inszenatorisch an die Klassiker der 1940er bis 1960er Jahre erinnerte. Mit mehrjährigen Spielzeiten am New Yorker Broadway und im Londoner West End bewies auch dieses Musical, dass das klassische Musical keineswegs veraltet war und weiterhin auf großen Publikums-Zuspruch traf.

Gleichzeitig zog bereits ein neuer Trend in der Kompositionsweise auf: Die handlungstragenden gesprochenen Dialoge im alten Stil der Opéra comique verschwanden. Es wurde nun, wie in „durchkomponierten“ großen Opern, durchgehend gesungen und gesprochene Texte auf ein Minimum reduziert. Die Musik schuf einen lückenlosen Zusammenhang. Dies bedeutete den Aufstieg des britischen Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber, der bereits in den 1970er Jahren erste Erfolge feierte (z. B. im Jahr 1978 mit Evita ) und der ab den 1980er Jahren mit Stücken wie Cats (1980), Starlight Express (1984), Das Phantom der Oper (1986) oder Sunset Boulevard (1993) weltweite Bekanntheit erlangte und dessen Name in dieser Zeit fast synonym mit dem Begriff „Musical“ verwendet wurde. Der Produzent Cameron Mackintosh brachte seine Stücke in aufwändigen Produktionen auf die Bühne, die einen wahren Musical-Hype auslösten und auch Cameron Mackintosh den großen Durchbruch als Musical-Produzent brachten. Cameron Mackintosh entdeckte auch das Stück Les Misérables der Franzosen Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Texte), das in Frankreich bereits im Jahr 1980 Premiere feierte und nach einer Überarbeitung 1985 in London Premiere feierte. Auch mit diesem Stück gelang Cameron Mackintosh ein Kassenschlager, der sich 1989 mit Miss Saigon (ebenfalls von Boublil & Schönberg) wiederholte. Aufgrund der immer üppiger werdenden Ausstattung stiegen die Investitionen und zur Refinanzierung mussten sehr lange Laufzeiten erreicht werden, was jedoch mühelos gelang. Auch die Lizenz-Produktionen in anderen Staaten wurden große Erfolge. Dabei setzte auch ein Trend ein, dass die Inszenierungen noch konsequenter als bei den klassischen Musicals vorgegeben wurden und Musik, instrumentelle Besetzung, Kulissen, Kostüme, szenische Realisierung bis hin zur Beleuchtung etc. als unveränderliche Vorlagen für alle Produktionen dienten.

Starlight Express im Starlight Express Theater in Bochum (März 2018).

Auch in Deutschland lösten die Stücke Andrew Lloyd Webbers und des Duos Boublil/Schönberg einen Musical-Boom aus und erzielten langjährige Laufzeiten. Während am Broadway und in London länger laufende En-suite-Produktionen Standard waren, wurde dies nun auch in Deutschland, wo bisher eher kürzere Spielzeiten an Stadttheatern und auf sonstigen Bühnen üblich waren, Standard. In vielen Städten wurden spezielle Musical-Theater gebaut, wo nur noch Musicals im En-suite-Betrieb gezeigt wurden. Mit dem für 24 Millionen DM errichteten Starlight Express Theater in Bochum wurde 1988 sogar eine Spielstätte eröffnet, die nur auf dieses eine Musical ausgerichtet ist und wo die Darsteller, die allesamt auf Skatern agieren, aufwendige Brücken-Konstruktionen und mehrere, zwischen den Zuschauern verlaufende Bahnen nutzen können. Damit handelt es sich um das erste Theater, das speziell für ein bestimmtes Stück gebaut wurde.[3]

Neben diesen Musicals, die die Massen anzogen, konnten sich aber auch Komponisten etablieren, deren Stücke nicht dieselbe internationale Bekanntheit erreichten, die aber zumindest im englischsprachigen Raum auch sehr beliebt sind. Ein Beispiel ist der Komponist und Textdichter Stephen Sondheim der über Jahrzehnte hinweg Musical plays mit anspruchsvollen Stoffen verfasste, die von der Kritik sehr gelobt wurden, wie z. B. Follies (1971) und Sunday in the Park with George (1984).

Mamma Mia! am Broadway

Seit der Wende zum 21. Jahrhundert gibt es den neuen Trend der sogenannten Jukebox-Musicals, für die bekannte Musiktitel eines Interpreten, einer Stilrichtung, o. ä. teilweise mit Anpassungen verwendet werden und häufig in einen neuen inhaltlichen Zusammenhang gestellt werden. Ein erster Vertreter war bereits im Jahr 1989 Buddy, das die Geschichte von Buddy Holly erzählt. Im Jahr 1998 folgte Saturday Night Fever, das auf dem gleichnamigen Film basiert und neben der Musik aus dem Film weitere Titel der Bee Gees verwendet. Der endgültige Durchbruch für das Jukebox-Musical kam 1999 mit dem Stück Mamma Mia!, das die Musik von ABBA in den völlig neuen inhaltlichen Zusammenhang einer Liebesgeschichte und der Suche nach dem Vater einer jungen Frau stellte. Der weltweite Erfolg von Mamma Mia! löste eine wahre Flut an Jukebox-Musicals aus, darunter beispielsweise Jersey Boys (2005), das die Geschichte der Band The Four Seasons zeigt oder Priscilla, Queen of the Desert (2006), das auf dem Film Priscilla – Königin der Wüste basiert und Disco-Musik verschiedener Interpreten verwendet. Auch in Deutschland hat man die Musik deutschsprachiger Interpreten verwendet, um aus ihnen Jukebox-Musicals zu machen; der erfolgreichste Vertreter ist Ich war noch niemals in New York (2007) mit der Musik von Udo Jürgens, das innerhalb von 10 Jahren an zahlreichen Spielstätten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Japan gezeigt wurde und in dieser Zeit insgesamt mehrere tausend Vorstellungen erreichte.[4]

Als weiterer Trend des modernen Musicals ist seit dem Erfolg des auf dem gleichnamigen Disney-Film basierenden Bühnenmusicals Die Schöne und das Biest (1994) zu beobachten, dass die Walt Disney Company immer mehr ihrer Filme auch als Musical-Fassung auf die Bühne bringt.

Kinky Boots im Operettenhaus, Hamburg (Mai 2018).

Unabanhängig davon lässt sich beobachten, dass im Vergleich zu früher, wo eher literarische Vorlagen oder neu entwickelte Stoffe dominierten, heute häufig Filme die Ideen für neue Musical-Stoffe liefern. Beispiele sind Victor/Victoria (1995) von Henry Mancini, Hairspray (2002) von Marc Shaiman, Billy Elliot (2005) von Elton John, Sister Act (2006) und Newsies (2011) von Alan Menken, Kinky Boots (2012) von Cyndi Lauper, Mrs Henderson Presents (2015) von George Fenton und Simon Chamberlain.

42nd Street im Theatre Royal Drury Lane in London (September 2017).

Daneben finden auch weiterhin Revivals früherer Musicals große Besucherzahlen. Dabei wird meist an Buch und Musik wenig bis gar nichts geändert und nur die Ausstattung angepasst; Beispiele sind das Revival von Gypsy 2015 im Londoner Savoy Theatre oder von 42nd Street seit 2017 im Londoner Theatre Royal Drury Lane. Gelegentlich finden sich jedoch auch Überarbeitungen klassischer Musicals, bei denen Buch und/oder Musik geändert werden; ein Beispiel ist Half a Sixpence, das von 2016 bis 2017 im Londoner Noël Coward Theatre sehr erfolgreich in einer bearbeiteten Version gespielt wurde, bei der das Buch leicht überarbeitet wurde und einige Musiktitel durch neue ersetzt wurden.

Außerdem steigt auch wieder die Zahl der Musical-Verfilmungen. Nachdem Ende der 1960er Jahre ein Ende klassischer Film-Musicals zu verzeichnen gewesen war und es nur noch vereinzelte Verfilmungen von Bühnen-Musicals gegeben hatte (z. B. Grease (1978) und A Chorus Line (1985)), ist seit Beginn der 2000er Jahre wieder eine Renaissance dieses Film-Genres zu beobachten, so z. B. Chicago (2002), Das Phantom der Oper (2004), Mamma Mia! (2008). Aber nicht nur Verfilmungen erfolgreicher Bühnen-Musicals erleben eine neue Blüte, sondern es gibt auch wieder das klassische Film-Musical ohne Bühnen-Vorlage, so z. B. La La Land, einen der erfolgreichsten Filme des Jahres 2016.

Gleichzeitig lässt sich auch der Trend ausmachen, Musicals nicht zu verfilmen, sondern die Original-Bühnenproduktion aufzuzeichnen und zu veröffentlichen. Beispiele sind die Aufzeichnungen von Victor/Victoria (New York, 1995), Cats (London, 1998), Love Never Dies (Australien, 2012), Billy Elliot (London, 2014), Gypsy (London, 2015) und Miss Saigon (London, 2016).

 

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